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D21-Digital-Index 2016

Initiative D21

Lagebild der Digitalen Gesellschaft in Deutschland: Nur mittlerer Digitalisierungsgrad / Digitale Kompetenzen gering ausgeprägt / Aus- und Weiterbildung beruflich weitgehend autodidaktisch 

Die Initiative D21 e.V. hat im November 2016 gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die Ergebnisse des D21-Digital-Index 2016 im vorgestellt. Die Studie wird von Kantar TNS durchgeführt und liefert seit 2013 jährlich ein umfassendes Lagebild zum Digitalisierungsgrad der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren, inklusive der Offliner.


Im Durchschnitt nur mittlerer Digitalisierungsgrad

Inzwischen nutzen 79 Prozent der Deutschen das Internet: Bei den unter 50-Jährigen sind es nahezu alle (14 – 39 Jahre: zwischen 99 und 97 Prozent, 40 – 49 Jahre: 91 Prozent), bei den Menschen über 50 Jahren steigt die Nutzung in diesem Jahr zum Teil deutlich (50 – 59 Jahre: 83 Prozent (2015: 82), 60 – 69 Jahre: 69 Prozent (2015: 65) 70+ Jahre: 36 Prozent (2015: 30)). Dennoch, der Digital-Index der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren stagniert bei 51 Punkten (Vorjahr: 52). Der D21-Digital-Index setzt sich zusammen aus den vier unterschiedlich gewichteten Dimensionen Zugang, Nutzung, Kompetenz und Offenheit und wird auf einer Skala von 1 bis bestmöglichen 100 Punkten berechnet. Insbesondere bei der digitalen Kompetenz und der Offenheit schneidet die Bevölkerung im Vergleich zum Vorjahr schlechter ab (-5 bzw. -4 Indexpunkte). Die Komplexität der Digitalisierung stellt die Menschen zunehmend vor größere Herausforderungen.

Großteil hält gerade so Schritt

Auch in diesem Jahr hält die Gesellschaft mit den steigenden Anforderungen der Digitalisierung mit. 18 Mio. Menschen (26 Prozent der Bevölkerung) gehören zu den Digital Abseitsstehenden, die kaum oder sehr wenige Digitalkompetenzen haben. Knapp die Hälfte der Bevölkerung (30 Mio. Menschen) gehören zu den Digital Mithaltenden, das heißt, sie halten mit den steigenden Anforderungen der Digitalisierung Schritt. Nur knapp ein Drittel, ca. 21 Millionen Menschen, gehören zu den Digital Vorreitenden, die hohe Digitalkompetenzen aufweisen und viele Trends verfolgen. »Es ist eine gute Nachricht, dass digitale Medien vielfältiger genutzt werden, und immer mehr Menschen die Chance bekommen, an den Entwicklungen des digitalen Zeitalters teilzuhaben«, so Staatssekretär Machnig anlässlich der Veröffentlichung. »Wir müssen aber noch mehr tun, um die digitale Spaltung zu überwinden. Wir müssen auch diejenigen erreichen, die digital im Abseits stehen oder gerade noch so mit der Entwicklung Schritt halten. Wir müssen für die bessere Vermittlung von Digitalkompetenzen schon in der Schule sorgen«.

Digitale Kompetenzen gering ausgeprägt

Das Schwerpunktkapitel Digitalkompetenzen beleuchtet vertiefend die Kenntnisse der Deutschen bei Datenverarbeitung und Information, Kommunikation, Erstellung von Inhalten, Sicherheit sowie Problemlösung. Es verdeutlicht: Der digitalen Zukunft begegnet die Bevölkerung mit geringen Digitalkompetenzen. 72 Prozent der Gesamtbevölkerung benutzen Suchmaschinen, doch nur 58 Prozent können hier mit hoher Kompetenz Internetrecherchen durchführen. Nur 37 Prozent beziehen mehrere Quellen mit ein und nur 15 Prozent betrachten Ergebnisse jenseits der ersten Seite. Zudem fällt auf, dass etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung keine Erfahrung oder keine Kompetenz mit Online-Überweisungen (47 Prozent) und beim Einstellen von Inhalten in Soziale Netzwerke (53 Prozent) hat. »Dieser Umstand ist gesellschaftlich wie wirtschaftlich beunruhigend, denn Digitalkompetenzen sind eine zentrale Kulturtechnik im 21. Jahrhundert, um sich selbstbestimmt und verantwortungsvoll in der digitalisierten Welt bewegen zu können«, erklärt Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21, und fordert: »Digitale Kompetenzen müssen über alle Ebenen in der Bevölkerung gefördert werden. Hierfür brauchen wir eine systematische Aus- und Weiterbildung, die in der Schule begonnen werden muss«. Um auch das Thema schulische Bildung thematisch zu flankieren, erscheint zeitgleich zum D21-Digital-Index die Sonderstudie »Schule Digital«, die digitale Bildung in der Lehr-, Lern- und Lebenswelt und im Dreieck SchülerInnen-Eltern-Lehrkräfte beleuchtet.

Aus- und Weiterbildung beruflich weitgehend autodidaktisch

Bei technischen Schwierigkeiten und Kenntnisgrenzen behelfen sich Berufstätige meist durch Ausprobieren oder kostenlose Internetangebote (insgesamt 80 Prozent) und Hilfe durch andere (82 Prozent). Nur 38 Prozent der Berufstätigen werden durch Schulungen und Weiterbildungsangebote digitaler Kompetenzen im Beruf unterstützt. Obwohl 84 Prozent der Berufstätigen erkannt haben, dass beruflicher Erfolg lebenslanges Lernen voraussetzt, bilden sich dennoch nur 21 Prozent von ihnen durch professionelle Kurse auf eigene Kosten regelmäßig fort.

Mobile Endgeräte machen das Internet für die Generation 60+ interessant

Da vor allem die Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen nahezu vollständig online ist, ist es die Generation 50+, die noch zu einer Veränderung der Internetnutzung der deutschen Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren beiträgt. Vor allem mobiles Internet und die damit einhergehenden Endgeräte sind Treiber der Internetnutzung, so nutzen 59 Prozent der Deutschen das Internet inzwischen auch unterwegs, d.h. über das mobile Datennetz. Ein Grund hierfür ist das stark in seiner Beliebtheit gestiegene Smartphone: 66 Prozent (ein Plus von sechs Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr) besitzen ein solches und machen es zum am meisten genutzten Endgerät (Notebook: 62 Prozent, Desktop-PC: 55 Prozent, Tablet: 37 Prozent). Gerade die älteren Generationen haben bei der Smartphonenutzung stark aufgeholt: So nutzen mittlerweile 51 Prozent (2015: 33 Prozent) der 60- bis 69-Jährigen ein solches Endgerät und auch 25 Prozent der Menschen über 70 Jahren (2015: 15 Prozent). »Das Smartphone ist auch der beste Beweis, dass Digitalisierung weder aufgezwungen noch aufhaltbar ist. Die Menschen nutzen es freiwillig, weil es schlichtweg einfach und nützlich ist«, stellt Robert A. Wieland, Vizepräsident der Initiative D21, abschließend fest.

(07.02.2017, prh)

Zur Studie (PDF, 64 Seiten)

 

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